100 Jahre Bad

Ein Überblick

über die Erfolgsgeschichte des Kurortes Bad Zwischenahn

Zur Entstehung

Bereits in der Altsteinzeit (2 Mio. Jahre v. Chr. bis 9000 v. Chr.) siedelten die ersten Menschen auf Zwischenahner Boden. Archäologische Funde im Dorf Querenstede, im Kayhauser Engelsmeer und in Rostruperfeld liefern den Beweis dafür.

Mittelalter

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Erstmals urkundlich erwähnt wird „Zwischenahn“ (plattdeutsch: Twüschenahn) 1124 nach Christus.

Rund um das Zwischenahner Meer sind kleine Eschdörfer (lockere Gruppensiedlungen) entstanden. 

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Der reiche Graf Egilmar I. herrscht in dieser Zeit im Grenzgebiet von Sachsen und Friesen, das auch das heutige Ammerland umfasst. Obwohl sein Nachfolger Egilmar II. 1134 seinen Sitz nach Oldenburg verlegt, bleibt Zwischenahn ein strategischer Stützpunkt. 

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Im Ortsteil Elmendorf/ Dreibergen befand sich damals die Burg.

Heute zeugen noch die drei charakteristischen Hügel am Nordufer des Zwischenahner Meeres von ihrer Existenz. 

Neuzeit

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Grundlagen des Erfolgs

Wegen seiner verkehrsgünstigen Lage schreitet die Entwicklung Zwischenahns ab Mitte des 15. Jahrhunderts schneller voran als andernorts.

Die Grafschaft Oldenburg war Teil der wichtigen hansischen Postroute zwischen den Städten Amsterdam und Hamburg. Viele Reisende kreuzten daher auf ihrem Weg Zwischenahn. Die Ortschaft bot zu dieser Zeit mit ihrem See und den kleinen Bauerschaften ein idyllisches und landschaftlich reizvolles Bild.

Außerdem machte die Region im 17. Jahrhundert durch eine Heilquelle (Gesundbrunnen Helle) im Ortsteil Helle von sich Reden. Sie entsprang an der alten Heerstraße zwischen Oldenburg unweit des gräflichen Gasthofes Blexhaus.

Laut Erzählungen konnten mit dem Quellwasser verschiedene Krankheiten wie Blindheit, Wassersucht oder Lähmungen geheilt werden. Die Heilkraft der Quelle sprach sich schnell herum, so dass viele Kranke sich auf den Weg nach Helle machten, um von dem Wasser zu trinken. Auch Graf Anton Günther selbst soll dort positive Erfahrungen gemacht haben. 

Zwischenahn wurde also schon früh zum Anlaufpunkt für Reisende und Menschen, die sich von ihrem Aufenthalt eine Verbesserung der eigenen Gesundheit erhofften. Dennoch sollte es noch eine ganze Weile dauern bis sich der Tourismus zum wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Gemeinde entwickelt.

Neuzeit

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Der Ursprung des Fremdenverkehrs

Der Fremdenverkehr in Zwischenahn begann Anfang des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit veranstaltete der Wirt Barder in Dreibergen die ersten großen Volksfeste. Auch in anderen Teilen der Gemeinde entstanden erfolgreiche Gastronomiebetriebe.

Durch neue Spazierwege und Verbindungsstraßen zwischen den Dörfern sowie das Aufstellen von Ruhebänken im heutigen Strandpark befeuerte der damalige Amtmann Johann Wiegand Christian Erdmann diese Entwicklung. Er war vom Großherzog zu Oldenburg für die Verwaltung der Gemeinde eingesetzt.

Auch sein Nachfolger Anton Bernhard Hollmann hatte das Wohl Zwischenahns im Blick. Er regte 1852 die Schaffung „angenehmer Promenaden“, die Herstellung einer Badeanstalt und neuer Unterkünfte an. Noch im selben Jahr wurden die Badehäuser in Betrieb genommen. Nun entdeckten immer mehr Fremde Zwischenahn als Ausflugsort für sich.

2. Hälfte des 19. Jahrhundert

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Neue Infrastruktur bringt neue Gäste

Ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung war die neue Straßenverbindung von Oldenburg nach Zwischenahn. Sie beeinflusste den Besucherverkehr und sorgte für mehr Leben im Kirchdorf.

Den größten Aufschwung erlebte der Ort jedoch durch die neue Eisenbahnverbindung zwischen Leer und Oldenburg mit Halt in Zwischenahn. Die Linie ging ab 1869 in Betrieb. 

In dem ersten Reiseführer für Bad Zwischenahn beschreibt der Oldenburger Major von Berg die Situation mit folgenden Worten: „Nach Eröffnung der Eisenbahn von Oldenburg nach Leer, am 15. Juni 1869, steigerte sich der Fremdenverkehr rapide. Schon im Jahre 1871 mußte eine große Zahl von Fremden abgewiesen werden; es war nicht möglich, für dieselben Unterkommen zu schaffen“.

Um diesem Problem Abhilfe zu schaffen, erbaute eine Aktiengesellschaft überwiegend bestehend aus ortsansässigen Fabrikanten und Bürgern ein Kur- und Badehaus (heute Altes Kurhaus, Auf dem Hohen Ufer 20). Es wird im Juni 1874 eröffnet. Die Zahl der Besucherinnen und Besucher wächst daraufhin weiter an. 

Major von Berg nennt für dieses Jahr eine unglaubliche Zahl von 80.881 Personen, die vom Bahnhof Zwischenahn an- und abreisten. 

1870-1919

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Der Weg zum „Bad“

Die 1870er waren geprägt durch weitere Aufwertungs- und Investitionsmaßnahmen für den Fremdenverkehr in Zwischenahn. Längst hatte man dessen Wirtschaftskraft erkannt.

Mit dem Bau des Kurbadehauses direkt am See war der Grundstein für „Bad“ Zwischenahn gelegt. Es folgte der Aufstieg zum „heilmedizinischen Zentrum“. Der Sanitätsrat Dr. Alexander Niemöller aus Vechta trug maßgeblich hierzu bei. Er kaufte 1895 das Badehaus und machte daraus ein Sanatorium, das künftig überwiegend von Patienten der Reichsversicherungsgesellschaft genutzt wurde.

Auf Antrag des Ortsausschusses Zwischenahn erfolgte im Dezember 1919 die Ernennung zum „Bad“ durch das Oldenburgische Staatsministerium. Ein weiterer Schritt für den Aufschwung des Kurortes war die Gründung der Kurbetriebsgesellschaft 1956. Als eigene Tochtergesellschaft der Gemeinde ist sie für die Förderung des Kurwesens verantwortlich.

20. Jahrhundert

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Bedeutung des Moores

Der Erfolg des Kur- und Urlaubsortes Bad Zwischenahn ist untrennbar mit seiner moorigen Landschaft verbunden. Noch heute kommen Mooranwendungen aller Art im Reha-Zentrum Unter den Eichen zum Einsatz.

Erste Überlegungen das Moor zu Heilzwecken zu verwenden, gab es jedoch bereits in den 1930er Jahren. Ab 1954 nutze es der Masseur Schröder in seiner Praxis in der Bahnhofsstraße. Mit der Gründung der Kurbetriebsgesellschaft sollten Mooranwendungen aber auch im neuen Kurzentrum eine Rolle spielen.

Hierzu wurde der damalige Kurdirektor von Bad Driburg, Georg Nave, mit einem Gutachten beauftragt, das die Eignung von Zwischenahn als Heilbad und die damit verbundenen Aufgaben feststellen sollte.

Die Bemühungen waren schließlich von Erfolg gekrönt: Am 14. Februar 1964 erhielt Bad Zwischenahn die staatliche Anerkennung als Moorheilbad. Das abgegebene Moor wurde durch spezielle Untersuchungen als besonders heilkräftig eingestuft.  

20. Jahrhundert

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Bad Zwischenahn heute

Die Moor-, Torf- und Sandböden bringen aber nicht nur Vorteile für das Kurwesen mit sich. Sie begünstigen auch das Pflanzenwachstum in der gesamten Region.

Nicht ohne Grund gilt das Ammerland als Zentrum der niedersächsischen Baumschulwirtschaft. Daher erschien es als logische Konsequenz die Landesgartenschau 2002 nach Bad Zwischenahn zu holen. Die Region verfügt schließlich über eine lange gartenbauliche Tradition, die vor rund 200 Jahren begann.

Aus der ehemaligen Landesgartenschau hat sich mittlerweile der „Park der Gärten“ entwickelt. Er lockt als „Schaufenster des Gartenbaus“ jährlich über 150.000 Besucherinnen und Besucher in die Gemeinde. Neben dem Gesundheitstourismus und dem Wassersport auf dem Zwischenahner Meer wurde dadurch ein neuer Anziehungspunkt geschaffen.